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LED-Lichtsystem Combilight von Steng Licht


Im Interview erklären Andreas Steng, Geschäftsführer von Steng Licht, und Prof. Wulf Schneider den Entstehungsprozess des LED-Lichtsystems Combilight und seine vielfältigen Einsatzmöglichkeiten.


Herr Steng, Sie haben zur Light+Building 2014 die neue Produktserie Combilight präsentiert. Entworfen wurde die LED-Leuchtenserie von Professor Wulf Schneider. Wie kam es zu der Zusammenarbeit?
Andreas Steng: Herr Schneider kam auf uns beziehungsweise auf meinen Vater zu. Die beiden kennen sich schon lange. 2012 stellte uns Herr Schneider einen ersten Prototyp von Combilight vor. Wir waren sofort von dem Entwurf überzeugt, und haben, wenn ich mich richtig erinnere, gleich beim ersten Termin entschieden, dass wir das machen wollen.
Prof. Wulf Schneider: Ich kenne den Vater von Herrn Steng bereits seit rund zwanzig Jahren. Unser Büro für Gestaltungsfragen war bisher vorrangig im Möbelbereich tätig. Jetzt machen wir aber auch Kaminöfen und dergleichen. Es hat mich immer gereizt, etwas mit Licht zu machen, ein Lichtsystem zu entwerfen.


Transluzenz und eine eigenständige Formensprache zeichnen das
LED-Lichtsystem Combilight von Steng Licht aus.


Vom ersten Termin bis zur fertigen Produktserie – wie lange hat es gedauert, bis Sie Combilight perfektioniert hatten?
Andreas Steng: Die Basis war von Herrn Schneider konzeptionell schon sehr weit vorangetrieben. Ich habe oben auf meinem Tisch noch den Entwurf liegen, den Herr Schneider damals vorgestellt hatte. Im Prinzip sieht es heute genauso aus, wie es damals präsentiert wurde. Insgesamt haben wir etwas über ein Jahr an dem Produkt gearbeitet – wobei das schon eine sehr intensive Zeit war für eine derart umfangreiche Produktlinie. Combilight ist in der Geschichte von Steng sicherlich das langwierigste und konstenintensivste Produkt. Da wir vom Erfolg des Systems überzeugt sind, haben wir aber gerne in die Entwicklung investiert.
Prof. Wulf Schneider: Das Büro für Gestaltungskonzeptionen, das ich leite, erarbeitet ein neues Produkt immer mit Blick auf den Menschen. Bei Combilight ging es darum, Lichtplanern und Architekten ein Mittel an die Hand zu geben, mit dem sie ihre Lichtplanung noch besser umsetzen können. Mit dem System können in einem Projekt die verschiedensten Themen abgedeckt werden.


Die LED-Module können bedarfsgerecht ausgerichtet werden, sodass sich auch Bilder und Skulpturen bestens damit inszenieren lassen.

Herr Prof. Schneider, Sie hatten ja schon zuvor mit Licht gearbeitet. Für ihr Lichtmöbel eo wurden Sie 2002 mit dem Designpreis der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.
Prof. Wulf Schneider: Ja, das Lichtmöbel war seinerzeit eine Sensation, so was gab es damals noch gar nicht. LED waren damals noch recht unbekannt und wurden lediglich im technischen Bereich, also bei Rücklichtern oder Ampeln, verwendet. Wir haben das neue Medium genutzt, um Möbel zum Leuchten zu bringen.
Andreas Steng: Die LED-Technologie bringt derzeit einen immensen Wandel, den es so vorher sicherlich nicht gegeben hat. Wir haben heute im Projektbereich einen Anteil von fast 100 Prozent LED-Beleuchtung. Dieser extreme Wandel eröffnet einem Unternehmen natürlich viele Chancen, birgt allerdings auch viele Gefahren. Vor etwa fünf Jahren wiesen LED beispielsweise noch nicht die Lichtqualität auf, wie wir sie uns – was das Thema Lichtfarbenkonstanz und  Farbwiedergabe betrifft – vorstellen. Das ist auch der Grund, weshalb wir erst relativ spät in das Thema eingestiegen sind. Inzwischen verfügen LED nicht nur über eine hervorragende  Lichtleistung, sondern auch über eine gute Lichtqualität. Wir haben 2012 mehrere Produkte für LED präsentiert, die nach wie vor sehr erfolgreich sind. Mit Combilight haben wir zur Messe aber erstmals eine komplette LED-Leuchtenfamilie auf den Markt gebracht. Dank der verschiedenen Ausführungen als Decken-, Wand-, Boden-, Pendel- und Schienenversion eignet sich die Serie für verschiedenste Anwendungszwecke – vom Wohnraum über den Office- und
Hotelbereich bis hin zum Museum.


Emotionales Licht in höchster Qualität: Optionale Warmtonfilter
ermöglichen sehr angenehme Lichtstimmungen im Wohnbereich.


Hat die moderne LED-Technologie bei der Entwicklung von Combilight Möglichkeiten eröffnet, die herkömmliche Leuchtmittel nicht geboten hätten?
Prof. Wulf Schneider: Als ich mich wieder dem Lichtthema gewidmet habe, wollte ich auf jeden Fall etwas in Verbindung mit LED machen. Denn es ist natürlich eine tolle Sache, wenn man so eine neue Technik verwenden und damit vollkommen neue Qualitäten umsetzen kann: zum einen, was die Sparsamkeit des Leuchtmittels, also die Wirtschaftlichkeit, angeht, zum andern aber auch, was die Leichtigkeit betrifft, weil das Leuchtmittel so klein ist. Dadurch waren die Grundgegebenheiten vorhanden, ein System zu entwerfen, das sehr leicht und kombinationsfähig und addierbar ist. Mit einer Glühbirne oder Halogentechnik wäre das nicht möglich gewesen.
Andreas Steng: Nicht in diesen Dimensionen und nicht in dieser Effizienz. Ich denke, das ist auch das Wichtigste an der LED-Technologie: dass man natürlich alle Produkte umrüsten kann, um sie effizienter zu machen. Man kann ein LED-Leuchtmittel anstelle einer Halogenlampe einbauen. Aber eigentlich müssen wirklich neue Produkte für LED entwickelt werden.


Andreas Steng, Geschäftsführer von Steng Licht.

Combilight wurde also von Grund auf speziell für die neue LED-Technologie entworfen?
Prof. Wulf Schneider: Ja, es ging uns darum, mit der neuen stromsparenden Technik kleine, transluzente, kostengünstige Leuchten zu entwerfen, deren Lichtfarbe und Helligkeit einstellbar sein sollten. Dabei sollten die Leuchten vielfältig anwendbar und ästhetisch ansprechend sein. Kaltes LED-Licht ist Vergangenheit.
Andreas Steng: Technisch betrachtet zeichnet sich Combilight durch seine besonders hohe Leistungsfähigkeit aus: Das 19-W-Downlight zum Beispiel weist eine Einbautiefe von nur 42 mm auf. Dergleichen gibt es am Markt, wenn überhaupt, nur ganz wenig. Mir ist keines bekannt. Diese Leistungsfähigkeit wird erreicht durch den patentierten konstruktiven Aufbau der LED-Einzelmodule. Durch den Einsatz von warmweißen und extra-warmweißen Filtern kann Combilight in sämtlichen Wohnraumsituationen eingesetzt und individuell angepasst werden. Das System ist äußerst flexibel und bietet nahezu unendlich viele Kombinations- und Anwendungsmöglichkeiten.


Acrlyglaszylinder verleihen Combilight seine filigrane Leichtigkeit. Die strahlenförmigen Kühlkörper aus Aluminium sind Bestandteil des Designs.

Von außen betrachtet wirkt das Lichtsystem besonders leicht, fast schwerelos.
Andreas Steng: Wir haben für Combilight aus diesem Grund erstmals mit Acryl gearbeitet, einem Material, mit dem wir bisher keine Erfahrungen hatten. Nachdem wir einige Dinge ausprobiert hatten, war klar, dass nicht nur die Zylinder aus Acryl bestehen sollten, sondern das ganze Gehäuse. Einen Materialmix wollten wir vermeiden. Es war ein Prozess, und wir haben viele Prototypen fertigen lassen, bis wir die optimale Lösung gefunden hatten. Dabei ging es um kleinste Details, die Combilight die heutige Wertigkeit verleihen. Entstanden ist ein transluzentes LED-Modul, das völlig neuartig und eigenständig ist.
Prof. Wulf Schneider: Eigenständigkeit – das ist es auch, was gutes Design und auch Architektur auszeichnet. Im Grunde genommen werden heute in Deutschland ein Altersheim, ein Kindergarten, ein Bürogebäude und eine Industrieanlage häufig im gleichen Stil gebaut. Und das kann nicht richtig sein. Beim Entwerfen geht es darum, eine eigenständige Bescheinung der Dinge zu erreichen. Combilight ist das Ergebnis einer solchen Haltung.


Prof. Wulf Schneider, Büro für Gestaltungskonzeptionen.

So individuell die verschiedenen, wählbaren Varianten sind, so individuell sind die Menschen, für die Combilight entworfen wurde. In Ihrem Buch „Sinn und Un-Sinn“ haben Sie Ihre Theorie vom „humanen Gestalten“ dargelegt. Ist es dieser Gestaltungsanspruch, mit dem man humanes Design erreicht?
Prof. Wulf Schneider: Wenn wir ein neues Produkt gestalten, stellen wir uns ständig die Frage, wie die Kommunikation zwischen dem Produkt und dem Nutzer entsteht. Faktoren wie die Farbwirkung, die Lichtstimmung und auch die Materialität spielen zusammen und wirken auf die Sinne des Menschen, so dass er innerhalb von Sekundenbruchteilen entscheidet: „Das finde ich sympathisch“, oder „Das finde ich hässlich“.

Auf der Light+Building haben Sie nicht nur die neue Produktserie Combilight vorgestellt. Sie haben die Messe auch genutzt, um das Unternehmen Steng Licht neu zu präsentieren. Wa-rum der neue Firmenauftritt?
Andreas Steng: Weil es für uns genau der richtige Zeitpunkt war – alles hat gepasst. 2013 haben sich viele Dinge in die richtige Richtung entwickelt, und wie es manchmal so ist, es kam ein Baustein zum anderen. Dazu kommt, dass mein Vater sich zum Spätsommer dieses Jahres aus dem Unternehmen verabschiedet hat. Alles in allem also der optimale Zeitpunkt für eine Neuausrichtung.



Für das neue Corporate Design haben Sie mit dem Designer Michael Raasch zusammenge-arbeitet.
Andreas Steng: Er zeichnet federführend für das neue Logokonzept verantwortlich und wird uns auch weiterhin beim Thema Markenauftritt beratend zur Seite stehen. Mit Blick auf die Messe war es uns wichtig, den neuen Markenauftritt mit einem exakt darauf abgestimmten Messestand zu unterstreichen, um die Veränderung auch direkt kommunizieren zu können und auf der Messe sichtbar zu machen. Bei der Standgestaltung kam uns zugute, dass sie mit Michael Raasch, Professor Wulf Schneider und mir in einem erfahrenen Team erfolgte. Jeder brachte seine Kompetenz ein, was letztlich zum Erfolg führte.

Neben Combilight hat Steng Licht sein Portfolio letzten Sommer um die Kollektion Michael Raasch erweitert. Das Sortiment von Steng vereint verschiedenste Beleuchtungslösungen.
Andreas Steng: Wir haben bereits 2012 mit der Entwicklung von Combilight begonnen und im Sommer 2013 die Kollektion Michael Raasch übernommen. Beides sind umfangreiche, eigenständige Produktlinien, die nicht einfach so in unseren Hauptkatalog integriert werden konnten. Das wäre den Produkten nicht gerecht geworden. Deshalb haben wir auch ein neues Logokonzept entwickelt. Neben dem roten Logo für unsere Hauptlinie ‚Light by Steng‘ haben wir farblich differente Produktlinienlogos ‚Michael Raasch by Steng‘ und ‚HeringBerlin by Steng‘ entwickelt. Dazu kommt die neue Produktlinie ‚HotelLight by Steng‘, unter der wir künftig eine speziell für Hotelprojekte abgestimmte Kollektion präsentieren werden.


Das Downlight eignet sich ideal für die homogene Ausleuchtung von  privaten und öffentlichen Räumen. Die LED-Module sind stufenlos schwenkbar.

Noch einmal zurück zu Combilight. Hier gibt es schon erste geplante Ergänzungen, etwa eine Bett-Leseleuchte mit einer regulierbaren Iris, deren Licht auf das Buch fokussiert und den Bettnachbarn nicht stört. Sicher gibt es noch weitere Ideen, wie man Combilight auf die jeweiligen Bedürfnissen adaptieren kann...
Prof. Wulf Schneider: Wir arbeiten derzeit an vielen verschiedenen Programmerweiterungen.
Andreas Steng: Die Ideen gehen uns nicht aus!

Interview: Petra Hanrieder

 
 
 
 
     
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