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designfunktion auf der bundesweiten Kongressreihe „Wirksame Büros II“  
21.06.18

   

Ausgangspunkt ist die von designfunktion beauftragte Studie „Wirksame Büro- und Arbeitswelten“ des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO. Die Ergebnisse motivieren Entscheider aus Wirtschaft, Architektur, Planung und Presse, sich diskursiv mit dem Brennpunkt-Thema „Arbeitswelten der Zukunft“ auseinandersetzen und Erfolgsfaktoren zu benennen.

Die nächsten Stationen der Kongressreihe:
- Nürnberg, 23. Juli 2018
- Stuttgart, 24. Juli 2018


Die Studie

Für die Studie „Wirksame Büro- und Arbeitswelten“ wurden mehr als 1000 Experten aus Unternehmen, Architektur- und Immobilienbranche befragt. Das erste zentrale Ergebnis lautet: Multispace-Konzepte sind die Büroform der Zukunft. „In acht von zehn Projekten, die wir als Planer und Einrichter bearbeiten, entscheiden sich Unternehmen bereits für Multispace“, berichtet Samir Ayoub, geschäftsführender Gesellschafter von designfunktion und führt fort: „In diesen Projekten gestalten wir Zonen, die den unterschiedlichen Bedürfnissen der Menschen nach Konzentration, Kommunikation und Rückzug gerecht werden.“ Laut der Studie ist „die gelebte Zusammenarbeit im Multispace statistisch signifikant stärker ausgeprägt als in anderen Büroformen“, erläutern die Autoren Udo-Ernst Haner und Stephanie Wackernagel. Ein ebenfalls zentrales Ergebnis der Studie betrifft die Modernisierungsgeschwindigkeit.

Das Multispace in der Praxis: STÖER Gruppe, Berlin

„Die Offenheit eines Multispace entspricht am meisten unserer dynamischen Kultur“, berichtet Birgit Oßendorf-Will, Leitung Human Resources, STRÖER Gruppe. Als multimediales Medienhaus hat die STRÖER Gruppe innerhalb weniger Jahre ein enormes Wachstum erfahren. So wurden neue, größere Standorte geschaffen, um die Mitarbeiter zu vernetzen und agile Arbeitsprozesse zu ermöglichen. 2017 sind 2000 Mitarbeiter an Standorte mit Multispace-Konzept umgezogen. „Dort wo die Mitarbeiter aktiv eingebunden waren, wurde die neue Bürowelt von Anfang an erfolgreich angenommen. Unser Ziel war klar gesteckt: Ein Umfeld zu schaffen, in dem der Einzelne und ganze Teams wachsen können“, so Oßendorf-Will. Alle Details zu STRÖER Berlin s. Download-Link zum Pressematerial.

Activity based Working und Innovationskraft

Wie wirkt sich eine Multispace-Umgebung auf die Innovationskraft im Unternehmen aus? „Innovation ist ein Ergebnis. Innovationsfähigkeit aber ist die Kompetenz, wieder und wieder Innovationen auf den Markt zu bringen – und zwar erfolgreich“, betont Dr. David Uhde, Wissenschaftler an der FOM Hochschule für Oekonomie und Management und Geschäftsführer von reINVENT. In seinem aktuellen Forschungsprojekt geht er der Frage nach, ob Activity based Working die Innovationskraft von Unternehmen positiv beeinflussen kann. Auch er bestätigt: Kreativität und Offenheit für Wandel oder Risikobereitschaft können durch Multispace bzw. Activity based Working signifikant positiv beeinflusst werden.

Gesundheitsschutz

Das agilere Arbeiten und die freie Bewegung im Raum dienen dem Gesundheitsschutz. „Use it or lose it!“, warnt der Sportwissenschaftler Boris Feodoroff von der Deutschen Sporthochschule Köln DSHS, „was man nicht nutzt, verkümmert, wird vom Körper nicht mehr verwendet und abgebaut. Dies gilt vor allem für Muskeln und damit auch für den Stoffwechsel.“ Biologisch ist unser Körper auf Gehen und Laufen eingerichtet. „Es gibt keine Struktur im Körper, die es Ihnen dankt, dass Sie den ganzen Tag sitzen“, erklärt Feodoroff, der mehrere Studien zu bewegungsfördernden Sitzmöbeln initiiert hat. Auch nach Burkhard Remmers, Director International Communicator and PR, Wilkhahn, lässt sich die Bedeutung von Agilität im beruflichen Umfeld nicht hoch genug einschätzen: „In der heutigen Zeit besteht die Herausforderung darin, immer wieder zu vielfältiger Bewegung anzuregen. Wenn der Körper nur noch einheitliches, schonendes Sitzen kennt, fehlen wesentliche Reizsetzungen, die für einen gesunden Stoffwechsel Voraussetzung sind.“

Rückzug im Multispace

In konventionellen Bürokonzepten gibt es grundsätzlich zu wenige Rückzugsmöglichkeiten für konzentriertes Arbeiten oder zur Erholung. „Die Organisation von Rückzug ist ein zentrales Thema für das Gelingen moderner Bürowelten“, so Michael Isermann, Leitung Konzeption und Planung, designfunktion. Die Fraunhofer-Studie zeigt, dass Multispace-Arbeitsumgebungen deutlich mehr Rückzugsmöglichkeiten bieten. Eine Analyse verschiedener Unternehmen von 74 bis zu 1500 Mitarbeitern, von der Werbeagentur über eine Immobilienbank bis hin zur technischen Prüfstelle, ergab, dass rund 75 % der benötigten Rückzugsorte für zwei bis vier Personen konzipiert sein sollten. Auf ca. 10 Mitarbeiter ist je ein Rückzugsort in dieser Größe optimal.

Digitalisierung der Zusammenarbeit

„Wir sollten auch als Entwerfer ein Wort in der digitalen Welt mitreden“, unterstreicht Pascal Babey, Co-Founder & Head of Content, Archilogic. Aus Modellen oder Pixel-Plänen erstellen die Architekten von Archilogic semantische 3-D-Modelle. Das geschieht über Klassifizierungsalgorithmen. Auf diese Weise werden viele Pläne digitalisiert und der Computer lernt, immer komplexere Anforderungen zu verarbeiten. Durch die Verknüpfung weiterer Algorithmen kann es gelingen, ganze Gebäude einzurichten.Werden Architekten, Innenarchitekten und Gestalter in Zukunft überflüssig? „Wichtig auf dem Weg zum Digital Workplace“, berichtet Tobias Enders, Geschäftsführer GMS Global Media Services, „ist die Analyse des Ist-Zustands und eine Bedarfsanalyse, bei der Unternehmensstrategie, Organisationsform, Arbeitsprozesse und Unternehmenskultur untersucht werden.“

Der Change-Prozess

Udo-Ernst Haner vom Fraunhofer IAO unterstreicht die zentrale Bedeutung von Kommunikation mit den Mitarbeitern während des Change-Prozesses bis in Detailfragen hinein. Nur so kann Ängsten vor flexiblen Arbeitskonzepten wirksam begegnet werden. Ohne intrinsische Motivation würden die Mitarbeiter den Veränderungsprozess nicht engagiert mittragen. Birgit Oßendorf-Will, Leitung Human Resources STRÖER Gruppe und Simone Göbels, Senior Vice President Einkauf & Immobilien STRÖER Gruppe, bestätigen die Wichtigkeit der Einbindung der Mitarbeiter und einer engagierten Kommunikation während des gesamten Projekts. Die Unternehmensleitung muss die Arbeitsweisen mit leben, um die Mitarbeiter für das neue Arbeitskonzept zu öffnen. Inzwischen werden bei STRÖER nahezu alle Führungskräfte in den Change-Prozess eingebunden.

Ausblick

Multispace-Arbeitsumgebungen überzeugen in jeder Hinsicht. So haben sie ein schnelleres Modernisierungstempo der Arbeitsorganisation zur Folge. Keine Überraschung also, dass auch die Arbeitgeberattraktivität von dieser Arbeitsumgebung profitiert, die keine hierarchischen Strukturen widerspiegelt, sondern die offene projektbasierte Zusammenarbeit fördert. Und da Räume und moderne Technologien effizient genutzt werden – in herkömmlichen Büroformen sind die Arbeitsplätze oft nur zu 60 bis 70 % ausgelastet –, können Kosten eingespart werden. 54 % der Studienteilnehmer (1067 Personen aus verschiedenen Branchen, Unternehmensgrößen und Altersgruppen) sind davon überzeugt, dass Multispace die dominante Büroform der Zukunft sein wird. Derzeit arbeiten allerdings erst 23 % der Befragten in einem Multispace. Künftig wird eine wachsende Bandbreite an Raum- und Flächentypen gefragt sein.

 
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