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50 Jahre Pipistrello!  
29.04.15

   

Im Fall herausragender künstlerischer Ideen ist die Bedeutung des Zufalls nicht zu unterschätzen. Hätte der Schreibmaschinenhersteller Olivetti nicht nach einem besonderen Konzept für die Einrichtung seines in Paris geplanten Ausstellungsraums gesucht – vielleicht wären Gae Aulenti und der Lampenhersteller Martinelli Luci nie dazu gekommen, einen 1965 entstandenen Entwurf einer Tischlampe in die Tat umzusetzen, deren Schirm den Flügeln einer Fledermaus nachempfunden ist.

Ihren Einstand als Möbeldesignerin hatte Gae Aulenti fünf Jahre zuvor bei der vom Osservatorio delle Arti Industriali in Mailand veranstalteten Ausstellung „Nuovi Design per il Mobile Italiano“ gegeben. Die Ausstellung, auf der Möbel und Lampen verschiedener junger Architekten präsentiert wurden, gilt heute als Geburtsstunde des Stile Neoliberty. Diese italienische Wiederbelebung des Jugendstils stellte einen Gegenentwurf zum in den 1920er- und 30er-Jahren begründeten Rationalismus dar: Statt alles der Funktionalität unterzuordnen, sollten Architektur und Design wieder eine konkrete Verbindung mit der sie umgebenden Wirklichkeit und vorhandenen architektonischen Substanz eingehen.


Foto: Martinelli Luce

Ganz abgesehen von der konkreten Assoziation an die 1907 von Josef Hoffmann für die Wiener Kleinkunstbühne „Fledermaus“ entworfene Sitzgruppe mit ihren Fledermausflügeln nachempfundenen Lehnen lässt Pipistrello, deren geschwungener Schirm und dünner Stiel auch an eine Palme erinnern, unschwer das Vorbild des Wiener Secessionsstils erkennen. Andererseits ist die verspielte, respektlose Haltung gegenüber einem gemeinhin als „ernst“ betrachteten, der Zweckdienlichkeit untergeordneten Objekt auch ein Wesenszug der in jener Zeit gefeierten Pop-Art. Gleichzeitig handelt es sich um eine funktional äußerst durchdachte Konstruktion: Durch ihren Teleskophals zwischen dem stabilen Aluminium-Fuß und dem für eine sanfte Lichtverteilung sorgenden weißen Methacrylat-Schirm ist die Lampe an individuelle Lichtbedürfnisse anpassbar; der Metallknopf, mit dem der Schirm am Stiel befestigt ist, dient zugleich als Tragegriff.


Designerin Gae Aulenti


Fledermaus mit Teleskophals

Ungeachtet der kunsthistorischen Bedeutung sollte sich die zoomorphe Eleganz von Pipistrello letztlich als zeitlos erweisen und sie zu einem Inbegriff italienischen Designs werden lassen. Im Laufe der Jahrzehnte legte Martinelli Luci immer wieder Sonderserien auf, bei denen der regulär in Dunkelbraun gehaltene Fuß und Griff in verschiedenen anderen Farbtönen ausgeführt wurden. Zum 50. Jubiläum präsentiert der Hersteller nun eine streng limitierte Auflage in Gold, die nur bis zum Jahresende erhältlich sein soll. Während sich der langfristige Beitrag, den die durch Pipistrello hervorgerufene Furore zu Gae Aulentis Karriere als Designerin und Raumausstatterin leistete, kaum abschätzen lässt, hatte die erfolgreiche Arbeit für Olivetti unmittelbar weitere Aufträge zur Folge: Nach dem 1967 eröffneten Ausstellungsraum in Paris ließ das Unternehmen sie auch jenen in Buenos Aires einrichten.

Text: Patrick Pohlmann

 
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